Mangan & Molybdän – die Spurenelemente, von denen kaum jemand gehört hat
Von Gudrun Faller, Heilpraktikerin, Praxis für ganzheitliche Medizin Lörrach
Kurzantwort
Mangan und Molybdän gehören zu den am wenigsten bekannten, aber essenziellen Spurenelementen. Mangan ist Cofaktor der mitochondrialen Superoxid-Dismutase (ein zentrales antioxidatives Enzym), an Knochen- und Bindegewebsaufbau beteiligt, und teilt sich mit Eisen denselben Transportweg – beide Elemente stehen also in einem direkten Verwertungszusammenhang. Molybdän wird für Enzyme benötigt, die Sulfit, Purine und Aldehyde abbauen und gehört damit zur Phase-I-Entgiftung der Leber – relevant unter anderem für die Sulfit-Verträglichkeit. Beide Elemente bestimme ich routinemäßig bei der Vollblut-Mikronährstoffanalyse, weil ein Mangel unspezifische, aber real spürbare Auswirkungen haben kann.
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Aus der Praxis
In der Vollblutuntersuchung der Mikronährstoffe bestimme ich grundsätzlich auch Mangan und Molybdän. Fast immer kommt dann dieselbe Frage von Patientinnen: "Was ist das denn? Noch nie gehört!" Das ist völlig verständlich – diese beiden Spurenelemente stehen selten im Rampenlicht, obwohl sie für bestimmte Stoffwechselprozesse unverzichtbar sind.
Wenn du eine umfassende Mikronährstoffanalyse machen lässt, wirst du wahrscheinlich zum ersten Mal auf Mangan und Molybdän stoßen – zwei Spurenelemente, die im Vergleich zu Magnesium, Zink oder Eisen kaum bekannt sind, aber dennoch eine wichtige Rolle im Stoffwechsel spielen. In diesem Beitrag erkläre ich dir, wofür beide gebraucht werden, und warum es sich lohnt, bei einem nachgewiesenen Mangel gezielt zu supplementieren.
Mangan – Schutz für die Mitochondrien und das Bindegewebe
Mangan ist Cofaktor mehrerer wichtiger Enzyme. Am bekanntesten ist die mitochondriale Superoxid-Dismutase (Mn-SOD) – ein zentrales antioxidatives Enzym, das freie Radikale in den "Kraftwerken" unserer Zellen unschädlich macht. Darüber hinaus ist Mangan an der Bildung von Bindegewebe, Knorpel und Knochen beteiligt, sowie am Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel.
⚡ Mitochondriale Antioxidation
Als Bestandteil der Mn-SOD schützt Mangan die Zellkraftwerke vor oxidativem Stress – relevant bei chronischer Erschöpfung und Entzündungsprozessen.
🧭 Knochen & Bindegewebe
Mangan wird für Enzyme benötigt, die am Aufbau von Knorpel- und Knochengrundsubstanz beteiligt sind.
🌿 Stoffwechsel
Beteiligt am Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel, unter anderem an der Gluconeogenese (Zuckerneubildung).
🦮 Entgiftung von Ammoniak
Mangan ist Cofaktor der Arginase, eines Enzyms des Harnstoffzyklus, der Ammoniak unschädlich macht.
🪱 Zusammenhang mit Eisen
Mangan und Eisen teilen sich denselben Transportweg (DMT1) bei der Darmaufnahme und beim Einbau in die Mitochondrien – beide Elemente stehen damit in einem direkten Verwertungszusammenhang.
Molybdän – Entgiftung von Sulfit, Purinen und Aldehyden
Molybdän ist Bestandteil des sogenannten Molybdän-Cofaktors, der für mehrere wichtige Entgiftungsenzyme benötigt wird: die Sulfitoxidase, die Xanthinoxidase und die Aldehydoxidase.
🧭 Sulfitoxidase
Baut Sulfit – ein Abbauprodukt schwefelhaltiger Aminosäuren, aber auch häufiger Lebensmittelzusatzstoff (E220-228, z. B. in Wein, Trockenobst) – zu unbedenklichem Sulfat ab.
🦮 Xanthinoxidase
Beteiligt am Purinstoffwechsel und der Harnsäurebildung.
⚠ Aldehydoxidase
Baut verschiedene Aldehyde ab, die u. a. beim Alkoholstoffwechsel und bei der Entgiftung mancher Umweltstoffe entstehen.
🍷 Sulfit-Verträglichkeit
Ein suboptimaler Molybdänstatus kann die Sulfit-Verträglichkeit beeinträchtigen – ein Zusammenhang, der Menschen mit Sulfit-Empfindlichkeit betreffen kann.
🧪 Phase-I-Entgiftung der Leber
Die Aldehydoxidase gehört neben dem Cytochrom-P450-System zu den wichtigsten Phase-I-Entgiftungsenzymen der Leber und ist damit direkt an der Verstoffwechslung von Medikamenten und Fremdstoffen beteiligt.
Wichtige Einordnung
Ein leichter, ernährungsbedingter Molybdänmangel, wie ich ihn in der Praxis gelegentlich sehe, ist nicht zu verwechseln mit der sehr seltenen, schweren genetischen Molybdän-Cofaktor-Defizienz – einer angeborenen Stoffwechselerkrankung bei Säuglingen mit gänzlich anderem Krankheitsbild. Die hier beschriebenen Zusammenhänge betreffen ausschließlich einen leichten, erworbenen Mangel im Rahmen der normalen Ernährungsmedizin.
Mangan-Mangel und Mangan-Vergiftung sind unterschiedliche Themen
Neben einem Mangel gibt es auch eine Mangan-Vergiftung (Manganismus) – meist durch berufliche Exposition (z. B. Schweißrauch) oder langfristige parenterale Ernährung. Diese wird typischerweise über den Serum-Wert bzw. zur Expositionseinschätzung beurteilt. Rund 85 % des Blutmangans ist an Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gebunden, weshalb Serum nur einen kleinen, andersartigen Ausschnitt abbildet als das Vollblut. Für die Frage eines Mangels, um den es in diesem Artikel geht, ist die Vollblutmessung die aussagekräftigere Methode. Serum- und Vollblutwerte spiegeln also unterschiedliche Fragestellungen wider und sollten nicht direkt gegeneinander interpretiert werden.
Warum es sich lohnt, bei nachgewiesenem Mangel beide zu supplementieren
🔍 Oft übersehen
Weil sie so wenig bekannt sind, werden Mangan und Molybdän in Standarduntersuchungen häufig gar nicht mitgetestet.
⚖ Kleine Mengen, große Wirkung
Beide werden nur in Spuren benötigt, sind aber für ihre jeweiligen Enzymsysteme unverzichtbar – ein Mangel kann sich trotz geringer Mengen spürbar auswirken.
📊 Gezielte Diagnostik
Eine Vollblutanalyse zeigt, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt – Grundlage für eine sinnvolle, nicht wahllose Supplementierung.
🌿 Teil des Gesamtbilds
Beide Elemente ergänzen das Bild neben den bekannteren Mikronährstoffen wie Magnesium, Zink oder Eisen.
Eine Beobachtung aus 25 Jahren Praxis
Mangan und Molybdän gehören zu den Werten, die ich grundsätzlich bei jeder umfassenden Vollblut-Mikronährstoffanalyse mitbestimme – auch wenn sie kaum jemand kennt. Gerade weil sie so selten mitgetestet werden, kann ein Mangel hier lange unentdeckt bleiben.
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Eine umfassende Vollblutanalyse zeigt dir auch die selten getesteten, aber wichtigen Werte wie Mangan und Molybdän. In meiner Praxis in Lörrach begleite ich dich individuell.
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Häufige Fragen zu Mangan & Molybdän
Wofür braucht der Körper Mangan?
Mangan ist unter anderem Cofaktor der mitochondrialen Superoxid-Dismutase (Zellschutz vor oxidativem Stress), am Aufbau von Knochen und Bindegewebe beteiligt sowie am Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel.
Wofür ist Molybdän wichtig?
Molybdän wird für Enzyme benötigt, die Sulfit, Purine und Aldehyde im Körper abbauen – unter anderem relevant für die Sulfit-Verträglichkeit, etwa bei Wein oder Trockenobst.
Wie kann ich einen Mangel an Mangan oder Molybdän feststellen?
Über eine gezielte Vollblut-Mikronährstoffanalyse, bei der beide Spurenelemente mitbestimmt werden – sie sind nicht Teil der meisten Standarduntersuchungen.
Ist ein Mangel an diesen Spurenelementen häufig?
Ein ausgeprägter Mangel ist selten, ein leichtes Defizit kommt aber gelegentlich vor – gerade weil beide Elemente in der Routinediagnostik kaum berücksichtigt werden, bleibt das oft unentdeckt.
Warum wird Mangan manchmal im Serum, manchmal im Vollblut gemessen?
Serum und Vollblut bilden unterschiedliche Fragestellungen ab: Serum wird häufig zur Einschätzung einer Mangan-Vergiftung bzw. Exposition herangezogen, während die Vollblutmessung als aussagekräftiger für einen Mangel gilt, da der Grossteil des Blutmangans an die roten Blutkörperchen gebunden ist.
Über die Autorin:
Gudrun Faller führt seit über 25 Jahren eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Lörrach. Ihr Schwerpunkt liegt auf hormonellen Regelkreisen, chronischen Entzündungen, Stress- und Immunregulation sowie Mikronährstofftherapie. Mitglied im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH).
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